Candelaria an Teneriffas SüdküsteWallfahrtsort mit Strand | | © tfpelmarw |  | | Beim Guanchen-Schauspiel fehlt auch der traditionsreiche Hirtensprung nicht | 10.11.2006 - Teneriffa - Mitte August herrscht in Candelaria Hochbetrieb. Dann wird hier der Schutzheiligen der Kanaren, der Virgen de Candelaria, gehuldigt. Ein wahr-haft historischer Anlass: Im Jahre 1393 entdeckten zwei Guanchen-Hirten am Socorro-Strand von Chimisey im damaligen Menceycato Guimar eine Holzstatue der Jungfrau Maria, die von einem Schiff gefallen und an Land gespült worden war.
 | | | © tfpelmarw |  | | Mencey-Denkmäler an der Küste | Sie brachten sie zum örtlichen König, In den folgenden Jahren huldigten die Ureinwohner der Statue, die sie “Chaxiraxi” nannten. Heute ist diese Jungfrau die Schutzpatronin der Inseln Ihre Entdeckung wird alljährlich mit Festen begangen. In diesem Rahmen finden nicht nur Veranstaltungen mit religiösem Charakter statt. Es gibt einen Markt auf dem sich Andenkenhändler und Souvenierverkäufer drängeln. Zahlreiche Stände bieten Speis und Trank an. Autoscooter und Hüpfburgen sind aufgestellt worden.
 | | | © tfpelmarw |  | | Strand in Candelaria |
Auch ein Musik-Festival, bei dem an verschiedenen Tagen nationale und internationale Stars auftreten, gehört zum Programm. Rund 300.000 Menschen pilgern bei den mehrere Tage dauernden Feierlichkeiten in den Ort. Es gibt sogar organisierte Pilgermärsche aus zwanzig bis dreißig Kilometer entfernten Orten, von wo mehrere hundert Menschen über alt hergebrachte Pfade in den traditionsreichen Ort an der Süd-ostküste Teneriffas wandern. Höhepunkt sind der 14. und der 15. August. Dieser Tag ist sogar ein inselweiter Feiertag. Seit einigen Jahren beginnen die Feiern mit einem fokloristischen Auftakt, zudem sich Musikgruppen von allen Inseln auf der Plaza de la Patrona vor der Basilika Candelarias einfinden.
 | | | © tfpelmarw |  | | Candelarias Basilika |
Auch die geschmückten Wagen mit den Ochsengespannen der verschiedenen Gemeinden fahren aus diesem Anlass dorthin. Der erste Höhepunkt ist am Vorabend des Feiertags eine Inszenierung, bei der die Legende der Jungfrau von Candelaria von Schauspielern nach-gespielt wird. Der Tag ihrer Entdeckung wird jedes Jahr aufs neue gefeiert. Dazu finden sich jedes Mal viele Menschen in Candelaria ein.
 | | | © tfpelmarw |  | | Szene: Die Entdeckung der Jungfrau |
Viele Zuschauer versammeln sich rund um ein abgesperrtes Karree, in dem ein Sandplatz mit Kakteen aufgeschüttet wurde. Auch das staatliche Fernsehen ist mit mehreren Teams vor Ort und har sogar einen Kran dabei, auf dessen Schwenkarm eine Kamera befestigt ist, um sie für Nahaufnahmen innerhalb der Absperrung zu bewegen. Gegen zwanzig Uhr treffen dann auch die Honoratioren wie der Inselpräsident sowie einige geistliche Würdenträger ein und nehmen auf den Klappstühlen im Innenraum Platz. Kurz darauf beginnen die Glocken im Kirchturm zu läuten. Alle Blicke wenden sich jetzt dem Haupteingang der Basilika zu.
 | | | © tfpelmarw |  | | Szene: Die Entdeckung der Jungfrau |
Dort wird auf einem Wagen die Marienfigur hinausgerollt, eine schwere Statue in einem Glaskasten, die gut und gerne zwei Meter hoch ist. Es ist die zweite ihrer Art, nach dem das Original bei einer Überschwemming vor rund 200 Jahren abhanden kam. Die Figur bewegt sich durch die Menschenmenge hindurch zum Zugang des Platzes in der Nähe der Mencey-Statuen am Kopfende der Plaza de la Patrona. Jetzt ist der Organisationsleiter gefordert. Er rennt blitzschnell los und holt eine Leiter, mit der die an den Laternenmasten befestigten zu tiefhängenden Girlanden angehoben werden, damit die Marienfigur darunter her bugsiert werden kann.
 | | | © tfpelmarw |  | | Szene: Die Entdeckung der Jungfrau |
Nachdem die Virgen de Candelaria an ihrem zugewiesen Platz steht, fordert ein Sprecher über die Lautsprecher die Zuschaurer auf, die Jungfrau mit dem Ruf “Viva la Virgen zu begrüßen.” Am Fußende des Sandplatzes tauchen plötzlich Hirten in traditionellen Trachten auf, die eine Ziegenherde auf das Gelände treiben und im folgenden beaufsichtigen. Dann erscheinen auch zwei in Ziegenfell gekleidete Guanchen, die sich zögernd der Heiligenfigur nähern und mehrmals, erschreckt über ihre Entdeckung, wieder wegrennen, um von Neugier gepackt in Trippelschritten wieder zurückzukehren.
 | | | © tfpelmarw |  | | Szene: Die Entdeckung der Jungfrau |
Nach einigen Minuten holen sie dann den Mencey, der von seinem Stamm begleitet wird. Es ist ein in Felle gehüllter Querschnitt der kanarischen Urbevölkerung vom Kind bis zum Guanchen-Greis. Auch die Stammesmitglieder sind ganz baff angesichts der wudersamen Entdeckung, so dass der König die Angelegenheit selbst in die Hand nimmt und dabei mehrmals in ein Muschelhorn bläst. Währenddessen rennen die Ziegen immer von einer Seite der Absperrung zur anderen. Schließlich gibt der König grünes Licht, zumal Hand und Arme der beiden Entdecker, die sie beim Auffinden der Statue verloren haben, auf wundersame Weise wieder nachgewachsen sind.
 | | | © tfpelmarw |  | | Szene: Die Entdeckung der Jungfrau |
Der ganze Stamm fällt jetzt vor der Virgen-Statue auf die Knie und betet. Anschließend hüpfen die Hirten auf ihre Stöcke gestützt voller Freude per “Hirtensprung” über den Platz, einer traditionsreichen Fortbewegungstechnik zur Überwindung von Hindernissen im Gebirge. Dann beginnt zu den getragenen Klängen des Spielmannszuges ein Umzug durch die Straßen der In-nenstadt, der von der Marienfigur angeführt wird. Dabei bahnt die Polizei der Prozession den Weg durch die Menschenmassen. Anschließend treten traditionelle Sangesgruppen auf. Am Morgen des folgenden Feiertages findet ein feierlicher Gottesdienst mit Prozession statt. Daran schließt sich eine farbenfrohe Romería an. Den Abend bestreiten verschiedene Folklore-Orchester.
 | | | © tfpelmarw |  | | Statue der Jungfrau von Candelaria an ihrem Platz in der Basilika |
Den Rest des Jahres geht es in Candelaria erheblich beschaulicher zu. Der langgezogene Ort wird von vielen kleinen schwarzen Stränden gesäumt, die im Gegensatz zu den Touristenorten im Süden überhaupt nicht überlaufen sind. Über die kleine Einkaufsstraße Calle Obispo Pérez Cáceres, die einst Calle La Arena hiess, vorbei an vielen kleinen Geschäften, gelangt man vom Rathaus aus zur Plaza de la Patrona de Canarias, über der sich der alte Stadtteil Santa Ana erhebt. An normalen Tagen scheinen die Ausmaße des Platzes vor der Basilika in Bezug auf die Größe Candelarias bezogen erheblich überdimensioniert zu sein.
 | | | © tfpelmarw |  | | Der Hafen von Candelaria |
Vermutlich hat man deshalb die neun überlebensgroßen Statuen der Guanchenkönige zur Zeit der Eroberung Teneriffas durch die Spanier an der Küstenseite aufgestellt, um durch die überlebensgroßen Bronzefiguen einen Blickfang zu schaffen. In ihrer jetzigen Form stehen die Guanchen-Könige seit 1993 an ihrem Platz. Ihre kleineren expressionistisch angehauchten Vorgänger aus Stein wurden auf die Rambla der “Avendia de los Menceyes” im neuen Ortsteil Puntalarga verfrachtet. Dort sind es sogar zehn Statuen, doch inzwischen wurde einer der damaligen Guanchenkönige von den Historikern zum Prinz degradiert.
 | | | © tfpelmarw |  | | Mencey-Denkmal |
Die der Calle Arena gegenüberliegende Längsseite der Plaza de la Patrona wird von der Basilika und dem angrenzenden Dominikaner-Kloster eingenommen. Ein kleiner Weg an der Küste führt zu zwei hinter dem Kloster liegenden Sehenswürdigkeiten. Dabei handelt es sich um die Kapelle Ermita San Blas und Cueva de los Camellos. Der Platz an dem einst Schafe geschoren wurden, war der erste Ort, an dem der Schutzpatronin Teneriffas gehuldigt wurde. Mittelpunkt des Städtchens Candelaria ist die Basilika, eine Kirche im neoklassizistischen Stil, die im Jahre 1959 errichtet wurde.
 | | | © tfpelmarw |  | | Denkmal des Guanchen-Königs Benharo |
Einzige Referenz an die Vergangenheit ist der Seiteneingang auf Höhe des Altars, der von der Vorgängerkirche beibehalten wurde. Wie der Name Basilika bereits sagt, handelt es sich bei der Kirche um einen sehr großen hohen Bau. Mit “Basilika” wurden in der Antike große Hallen bezeichnet, in denen Gerichtssitzungen und Handelgeschäfte getätigt wurden. Erst seit den Zeiten des römischen Kaisers Konstantin wurde der Begriff auch im Bereich sakraler Bauten verwendet. In der Regel waren es durch Säulenreihen unterteilte dreischiffige Bauten, mit einem Querschiff vor dem Altarbereich, der die Kirche größer erscheinen liess und durch eine Kuppel einen hellen Lichteinfall ermöglichte. Bei der Basilika in Candelaria wurde auf das Querschiff verzichtet.
 | | | © tfpelmarw |  | | Der legendäre Guanchenkönig Bencomo |
Die Kuppel ist nicht rund sondern eckig ausgebildet, an ihren Säulen befinden sich kanarische Wappen. Durch den Lichteinfall im Bereich dieses “Simborio” wird der Altarraum besonders hervorgehoben. Über dem Altar befindet sich ein kleiner, von außen einsehbarer Raum, in dem die Figur der Virgen de Candelaria steht, sofern sie nicht bei Prozessionen umhergetragen wird. Zu bestimmten Zeiten können Glaubige der Schutzheiligen dort ihre Aufwartung machen. Das Wandbild über dem Altar zeigt Engel und Landarbeiter, die die Jungfrau beschützen. Links oberhalb des Altars sind Porträts von Hermano Pedro und Padre Anchieta zu sehen, zwei von den Kanarischen Inseln stammende Missionare, die vor mehreren Jahrhunderten in Brasilien und Guatemala wirkten. Besondere Sehenswürdigkeiten sind auch die “quadernos de milagro”, die Wunderbilder. Es handelt sich dabei um mehrere Gemälde mit sakralen Motiven, die mehrere Jahrhunderte alt und deren Maler nicht bekannt sind.
 | | | © tfpelmarw |  | | Beginn der Prozession am Ehrentag der "Virgen" |
Doch auch moderne Bilder können bewundert werden, unter anderem Landschaftstudien mit zum Teil surrealen Touch, díe den Strand zeigen, an denen einst die Statue der “Virgen de Candelaria angespült wurde. Vor dem Haupteingang der Basilika befindet sich ein großes Wandbild, dass die Guanchen bei ihrer Bekehrung zeigt. Darunter befindet sich ein wasserspendender Brunnen für die Pilger. Die sieben Figuren auf seinem Rand symbolisieren die sieben Kanarischen Inseln. Der kleine historische Bau oberhalb des Brunnens, zu dem man über eine lange Treppe gelangt ist das alte Rathaus, das im 17. Jahrhundert errichtet wurde. Heute wird es als Museum genutzt. In Candelaria finden von Montag bis Freitag zwischen neun und 17 Uhr sowie samstags zwischen neun und 14 Uhr Stadtführungen in Deutsch, Englisch, Holländisch und Spanisch statt, deren Teilnahme kostenlos ist. Die Führungen beginnen bei der Touristeninformation im Flachbau an der Ecke zwischen der Strandpromade und Calle in Richtung Basilika. Weitere Informationen erhalten Sie unter Tel.: (0034) 922 032 230.
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