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La Pamas grösstes Fest

Zwergenaufstand

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11.05.2006 - La Palma - Alle fünf Jahre platzt La Palma aus den Nähten. Dann findet auf der "Isla Bonita" die "Bajada de la Virgen de Nieves" statt. Höhepunkt dabei ist der sogenannte "Tanz der Zwerge", den es nicht zu verpassen gilt, da er nur alle fünf Jahre stattfindet. Selbst aus Südamerika reisen Zuschauer dazu an. Die "Bajada" ist das vermutlich wichtigste Volksfest auf den Kanarischen Inseln. Sie hat eine jahrhunderte alte Tradition und wird aus einem religiösen Anlass begangen, obwohl bei den meisten Veranstaltungen das Feiern im Mittelpunkt steht.

Die Calle Real bildet das historische Zentrum von Las Palmas
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Die Calle Real bildet das historische Zentrum von Las Palmas
Einst war La Palma dank der florierenden Seidenproduktion die am dichtesten besiedelte kanarische Insel. Im Vergleich zu Teneriffas gleichnamiger Inselhauptstadt verfügt das Santa Cruz auf der „Isla Bonita“ jedoch über eine lange Geschichte. Das spiegelt auch die zentrale Fußgängerzone  Calle Real mit ihren alten Häusern wieder. Viele von ihnen stammen aus dem 15. und 16. Jahrhundert. Das Rathaus ist der wichtigste Renaissancebau der kanarischen Inseln. Oftmals wurde aber die Raumaufteilung hinter den schmucken Fassaden heutigen Bedürfnissen angepasst.
 
Spätestens seit dem Bau des Tunnels durch das Zentralmassiv der Insel, der eine schnelle Fahrt von der Ost- zur Westküste der Insel ermöglicht, hat Los Llanos de Aridane die Inselhauptstadt als wirtschaftliches Zentrum abgelöst und zählt inzwischen sogar mehr Einwohner als Santa Cruz. Dort backt man inzwischen kleinere Brötchen und blickt wehmütig zu den beiden grossen Hauptinseln auf, was vermutlich der Grund dafür ist, warum der Turm von Teneriffas Inselpalast am Sitz der Inselregierung von La Palma in Form eines Türmchens kopiert wurde.

Der Sitz der Fern-Uni,  Casa Monteverdi,  stammt aus dem 17. Jahrundert
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Der Sitz der Fern-Uni, Casa Monteverdi, stammt aus dem 17. Jahrundert
Das bedeutendste kanarische Fest
 
Trotzdem: Alle fünf Jahre steht Santa Cruz de La Palma im Mittelpunkt. Dann wird hier zweieinhalb Monate lang das wichtigste Fest der kanarischen Inseln gefeiert: Die „Bajada de la Virgen de Nieves“, bei der die Statue der Jungfrau Maria im Rahmen eines feierlichen Umzuges aus der Wallfahrtskirche in den Bergen in die Kirche El Salvador im Stadtzentrum der Inselhauptstadt getragen wird.
 
Das passierte erstmals im Jahre 1676 und sollte Gott gnädig stimmen. In diesem Jahr wurde die Insel von einer Dürreperiode heimgesucht. Vier Jahre später legte der Bischof den 5-Jahres-Rhythmus fest. Die Prozession der unbefleckten „schneeweißen Jungfrau“ ist auch der Anlass dafür, dass berühmte Popstars wie  der Kolumbianer Juanes oder Brasiliens Kult-Künstler Carlinhos Brown auf der Insel gastieren und die höchsten politischen Würdenträger des Archipels an den wichtigsten Veranstaltungen teilnehmen.

Im Nachbau der
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Im Nachbau der "Santa Maria" befindet sich ein Museum
Bei den kanarischen Medien geht es während der „Bajada“  hektischer als sonst zu: In der „Semana Grande“, der Woche der Fest-Highlights, strahlt das kanarische Fernsehen mehrstündige Live-Sendungen von der Plaza de Almeida aus. An zentralen Punkten der Altstadt haben zahlreiche regionale Radiostationen Tische aufgebaut, an denen die Moderatoren mit zahlreichen Interviewpartnern Gespräche über die wichtige Bedeutung  des kanarischen Brauchtums führen.

Der Dialog zwischen Schiff und Burg
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Der Dialog zwischen Schiff und Burg
Familentreffen im 5 Jahres-Rhythmus
 
Auch Verwandtenbesuche auf La Palma finden überwiegend während der „Bajada“ statt. Viele Palmeros, die aufgrund fehlender beruflicher und wirtschaftlicher Perspektiven nach Teneriffa und Gran Canaria oder Süd-amerika ausgewandert sind, reisen dann auf ihre Heimatinsel.
 
Die feierliche Prozession, an der rund 40.000 Menschen teilnehmen, ist zwar der Ursprung des Festes, doch auch die anderen Veranstaltungen erfreuen sich großer Beliebtheit, zum Beispiel das  klassische Musik- und Theater-Spektakel „Menuett“ oder der „Dialog zwischen Schiff und Burg“, der an einem Sonntagmorgen im Barranco de Nieves nahe der Avenida Marítima rund um das Schiffahrtsmuseum stattfindet.
 
Dann werden  an den Masten des aufgedockten Nachbaus von Kolumbus´ “Santa Maria“, in dem das Museum untergebracht ist, alle Segel gesetzt. Matrosendarsteller klettern  in Uniformen vergangener Jahrhunderte auf der Takelage herum oder halten im Mastkorb Ausschau. Die Wachen auf der gegenüberliegenden Burg stehen Spalier, damit die Prozession der Jungfrau auf dem Weg zur Kirche von Burg und Schiff mit Kanonenschüssen begrüsst werden kann.

Der Zwerg ist das Wahrzeichen der Insel
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Der Zwerg ist das Wahrzeichen der Insel
Der Höhepunkt sind die tanzenden Zwerge
 
Anschließend folgt ein Zwiegespräch, bei dem sich die Wachen der Burg und die Schiffsbesatzung  traditionsreiche Verse zurufen. Die mit Abstand beliebteste Veranstaltung der Festwochen ist der „Zwergentanz“, der im Jahre 1833 erstmals urkundlich erwähnt wird. Seit hundert Jahren existiert er in seiner heutigen Form; die Polka, zu der im zweiten Teil  dieses Rituals getanzt wird, wurde von Domingo Santos Rodríguez vor 80 Jahren verfasst und erklingt seitdem immer wieder aufs Neue.
 
Im Laufe der Zeit ist der Zwerg sogar zum Wahrzeichen der „Isla Bonita“ geworden. Er schmückt jedes Festplakat. Auch die Festbeleuchtung wurde nach seinen Umrissen gestaltet. Die Zwerge werden als Souvenirs und auf T-Shirts verkauft; es gibt Bildbände, Videokassetten und DVDs, der Soundtrack zum Tanz ist auf CD zu haben. Den hüpfenden Gnomen wurde sogar mit einer Brunnenfigur vor dem Schifffahrtsmuseum ein Denkmal gesetzt.
 
Der Tanz der kleinen Kerle ist aber nicht nur ein Publikumsmagnet, er erfordert von Organisatoren und Behörden einen hohen organisatorischen Aufwand. Rund 60.000 Besucher tummeln sich am Tag des Tanzes im Zentrum des Hauptstädtchen, das weniger als 20.000 Einwohner zählt. Polizei und Zivilschutz sind zwölf Stunden im Einsatz, denn das Verkehrschaos ist vorprogrammiert.
 
In Richtung Hauptstadt geht es nur noch in einem sehr zögerlichen Schritt-Tempo. Rechts und links der vierspurigen Durchgangsstrasse LP 1 parken die Autos beidseitig in Richtung Süden bis ins mehr als vier Kilometer entfernte Breña Baja. Auch die Seitenstrassen in den angrenzenden Wohn- und Industriegebieten sind mit den Blechkisten zugestellt. Junge Canarios bringen sich an ihren Autos bei sogenannten „Botellones“ mit Cola, Hochprozentigem und lautem Latino-Pop oder Techno-Musik in Stimmung.

Die Zuschauer warten viele Stunden
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Die Zuschauer warten viele Stunden
Volksfest-Athmosphäre
 
Auch im Ort gibt es keinen Parkplatz mehr. Ab Mitternacht werden die in Richtung Innenstadt fahrenden Kraftfahrzeuge über einen Kreisel im Hafen wieder aus der Stadt hinausgeleitet. Der Verkehr in Richtung Norden muss Santa Cruz kilometerweit umfahren, denn die Avenida Maritima, die zwischen der Altstadt und dem Festgelände mit Salsabühne, Autoscooter, Karussellen  und Getränkeständen hindurchführt wird ab Mitternacht gesperrt und sofort von den feiernden Menschenmassen in Besitz genommen. Vor den Bars gibt es Bierstände, zahllose Schmuckverkäufer preisen ihre Waren an.
 
Es herrscht Völkerverständigung in Reinkultur: Während das wilde Gehupe der genervten Autofahrer bei den Festgästen aus Teneriffa, Gran Canaria und Venezuela  für vertraute Klänge sorgt, rufen die perunischen Panflöten-Spieler bei den Touristen aus deutschen Großstädten heimatliche Gefühle hervor.
 
Derweil wartet auf dem Bürgersteig vor dem zentralen Festgelände eine rund einen Kilometer lange Menschenschlange auf den Einlass. Neun Mal werden die Zwerge in dieser Nacht tanzen. Die ersten vier ausverkauften Vorstellungen finden  auf der zentralen Festbühne vor jeweils 8.000 Zuschauern im Stundenrhythmus zwischen 21.00 Uhr und 1.00 Uhr statt.
 
Das dieser Zeitplan unmöglich einzuhalten ist, da es schon fast eine Stunde dauert, bis die vielköpfige Zuschauermenge das schmale Eingangstor durchquert hat, stört keinen. Im Anschluss gibt es noch fünf  kostenlose Vorstellungen in Calle Real im Herzen der Altstadt. Die Menschen vertreiben sich die Zeit bis dahin beim Bier in den dichtgedrängten Gassen. An den Absperrbändern vor den Tanzplätzen sitzen Familien mit kleinen Kindern. Sie haben  Kühltaschen und  Klappstühle mitgebracht und harren  seit dem frühen Abend aus, um das seltene Spektakel mitzubekommen.

Von Minute zu Minute steigt die Spannung
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Von Minute zu Minute steigt die Spannung
Kurz nach zwei Uhr beginnt die letzte Vorstellung auf der Hauptbühne. Am Beifall lässt sich ihr Ablauf ablesen. Zur gleichen Zeit wird das Gedränge um die Absperrungen dichter.  Mauern werden bestiegen, einige Zuschauer haben sich Leitern mitgebracht, um sich eine gute Sicht zu sichern. Mütter beschimpfen Drängler, die ihren Kindern die Sicht versperren. Die erste weissgekleideten Musiker des Spielmannszugs erscheinen. Die Masse beginnt zu johlen. Zivilschutzmitarbeiter und Polizisten drängen die Zuschauer hinter das Band der Absperrung zurück und suchen das Kopfsteinpflaster nach ausgespuckten Kaugummis und Glasscherben ab.

Gegen drei Uhr nachts erscheinen die Akteure
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Gegen drei Uhr nachts erscheinen die Akteure
Die Tänzer erscheinen mit Zylinder und Mantel
 
Kurz darauf treffen die ersten Tänzer ein, gekleidet wie Adelige aus einer vergangen Epoche. Sie tragen lange Mäntel und Zylinder, in der Hand einen langen Stock. Viele werden von ihrer Frau, Familienmitgliedern oder Bekannten durch die lange Nacht begleitet. Ein zehn Meter langer Wagen wird hinter ihnen hergezogen und am unteren Ende des rund hundert Meter langen Tanz-Areals abgestellt.
 
Nach einer kurzer Absprache mit den Ordnungskräften und dem Dirigenten des Spielmannszuges verschwinden die 30 Zylinderträger in dem Wagen. Dann erklingt Musik und die Tänzer kommen in Zweiereihen aus dem Wagen heraus. Sie marschieren das rechteckige Terrain in unterschiedlichen Formationen auf und ab, mal in Viererreihen, mal mit gekreuzten Stäben. Zwischendurch stellen sie sich direkt vor den Zuschauern auf und singen immer wieder ihr Lied, das davon handelt, dass sie ein Geheimnis verbergen.

Auf einmal sind die Zwerge da
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Auf einmal sind die Zwerge da
Der Tanz beginnt
 
Nach einer knappen halben Stunde ist der Spuk vorbei und die Männer in den langen lila Mänteln verschwinden in dem Wagen. Nur wenige Sekunden später setzt die Polka ein, die Plane des Wagens hebt sich und der erste Zwerg in Kniebundhose und bunter Weste tanzt mit schlackernden Armen auf den Platz hinaus. Dann folgt der zweite, der dritte Tänzer mit riesigem Kopf und noch größerem Hut.

Die Zwerge marschieren auf und ab
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Die Zwerge marschieren auf und ab
Bald hüpfen alle Zwerge zur traditionellen Melodie. Sie tanzen in Gruppen auf und ab, drehen sich, umkreisen den Spielmannszug und rennen immer wieder zur Absperrung, um die Besucher zu necken und ihnen auf die Füsse zu treten. Wenn sie in Richtung Wagen zurückeilen, glaubt man, die Vorstellung sei vorbei, doch immer wieder kehren die kleinen Kerle zurück.
 
Nach dreissig Minuten verschwinden jedoch mehr und mehr Zwerge unter der Plane des Wagens. Plötzlich ist das bunte fröhliche Treiben vorbei. Die Zuschauermenge löst sich auf.

Das Publikum ist fasziniert
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Das Publikum ist fasziniert
Doch kaum hat sich der Wagen in Bewegung gesetzt, da sind schon wieder die ersten Herren mit langem Mantel und Zylinder zu sehen und marschieren zum nächsten Auftrittsort. Es ist schier erstaunlich, dass so viele Männer sich auf so engem Raum in einem Wagen in so kurzer Zeit riesige Masken auf- und absetzen können, ohne sich ins Gehege zu kommen. Wie sie das machen wird Außenstehenden immer ein Rätsel bleiben, auch wenn bekannt ist, dass der Auftritt viele Wochen lang geprobt wurde und viele aus der Gruppe nicht zum ersten Mal als Zwerg auftreten. 

Plötzlich ist der Spaß vorbei
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Plötzlich ist der Spaß vorbei
Bald graut der Morgen und die Tanzgruppe ist immer noch unterwegs. Die Salsa-Kapelle auf dem Festplatz hat längst ihre Instrumente eingepackt und die umliegenden Bäcker verkaufen Brötchen an Frühaufsteher und Nachtschwärmer.