Gefiederte PatroullieFalkengeschwader | | © tfpelmarw |  | | 23.05.2006 - Teneriffa - Hoch über der Rollbahn von Los Rodeos, dem Nordflughafen Teneriffas, kreist ein Falke. Er ist auf der Suche nach Beute: Tauben und andere kleine Vögel, die sich in den Luftraum des Airports gewagt haben. Der Falke patroulliert nicht aus eigenem Antrieb über dem Flughafen. Er ist einer von zehn Mitgliedern einer Raubvogelstaffel, die von der Verwaltung des Flughafens eingesetzt wurde, um andere Vögel zu verscheuchen. Besteht doch die Gefahr, dass das Federvieh das Starten und Landen der zahlreichen Maschinen behindern könnte.
 | | | © tfpelmarw |  | | Zwischen den Falknern und ihren Schützlingen herrscht ein besonderes Vertrauensverhältnis | So besteht die Gefahr, dass die Vögel in die Turbinen geraten oder gegen die Glasfenster der Kabinen prallen. In der Regel fährt ein Jeep mit jeweils zwei Vögeln in halbstündigen Schichten mehrere Punkte des Flughafengeländes ab und lässt die Tiere aufsteigen. Sobald die Vögel die Patroullie entdecken, fliehen sie, um nicht in deren scharfen Krallen zu enden. Manchmal werden aber auch bis zu sechs Vögel auf einmal eingesetzt. Rund dreissig Mal pro Tag fliegen Raubvögel über das Flughafengelände von Los Rodeos. Sollten sich andere Vögel bereits auf den Beton- oder Grünflächen des Airports niedergelassen haben, werden die Raubvögel im Tiefflug losgelassen, um das störende Federvieh zu verjagen. Zehn Falken sind derzeit auf dem Nordflughafen im Einsatz. Insgesamt sind derzeit mehr als 50 Raubvögel auf den kanarischen Inseln die im Luftraum über den kanarischen Flughäfen patrouillieren. Neben Los Rodeos werden auch Teneriffas Südflughafen Reina Sofia sowie die Airports auf Fuerteventura und Gran Canaria von Raubvögeln inspiziert. Neben den Falken werden dazu auch Sperber und Adler eingesetzt. Tauben und Möwen als Störfaktoren Während der Flughafen im Norden Teneriffas mit verirrten Stadttauben zu kämpfen hat, bereiten den drei anderen, unmittebar an der Küste liegenden Airports vor allem Möwen Probleme. Die Ursache des Problems ist bekannt: die wachsende Zahl der Wohngebiete lockte die Tauben und Möwen in die Nähe der menschlichen Siedlungen und damit auch auf die Flughäfen. Die Vögel finden in den Abfällen und Müllcontainern eine reichhaltige Ernährungsbasis. Um der Vogelplage Herr zu werden, wurden vor 35 Jahren erstmals Raubvögel als „Wächter der Lüfte“ auf spanischen Flughäfen eingesetzt. Die Falknerei in Los Rodeos existiert seit neun Jahren. Sie wird von Jose Miguel Gonzalez Guzman betreut, der auf eine fünfzehnjährige Erfahrung mit Raubvögeln zurückblicken kann. Zusammmen mit seinem Kollegen José Curbelo Guzman ist er in Wechselschicht jeden Tag von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang im Einsatz. Im Prinzip fehlt ein weiterer Kollege, damit die Falkner auch mal Urlaub machen könnten. Vor dem Gebäude sitzen die Wander- und Wüstenfalken auf Baumstümpfen und warten auf ihren Einsatz. Bei schlechtem Wetter und in der Nacht ist ihr Platz in der Falknerei. Falken sind für den Wächter-Job besonders gut geeignet. Die mittelgroßen Raubvögel jagen ihre Beute, in dem sie in einer Höhe von vierzig Meter kreisen und mit scharfem Blick die Regionen unter sich nach Nahrung absuchen.
 | | | © tfpelmarw |  | | Aufgrund der Flügelform sind Falken in der Luft rasend schnell |
Sobald ein mögliches Beutetier erspäht haben, stossen sie blitzschnell her. Bei ihrem Sturzflug sind sie bis zu 350 Stundenkilometer schnell. Selbst mit der Beute in den Krallen erreicht der Wanderfalke Geschwindigkeiten von bis zu 180 Stundenkilometern. Die hohe Fluggeschwindigkeit erreichen die Tiere aufgrund des langen Schwanzes und ihrer spitzen Flügel. Allerdings sind sie bei Regen nur bedingt einsatzfähig. Während sich die Vögel bei Nieselregen noch durch ein körpereigenes Öl schätzen können, sind sie bei starkem Niederschlägen aufgrund verklebter Federn nicht einsatzfähig. Im Gegensatz zu vielen anderen Tierarten ist bei den Falken das Weibchen größer als das Männchen und wird daher auch auf größere Beutetiere losgelassen. Bereits in der Antike genossen die Tiere einen hohen Ruf und waren bei den Wüstenvölkern sogar ein wertvolles Statussymbol. In der agyptischen Mythologie hat eine der höchsten Gottheiten, der Sonnengott Horus, sogar einen Falkenkopf. Damit die Raubvögel als Wächter auf dem Flughafen eingesetzt werden können, bedarf es einer besonderen Vertrautheit zwischen Mensch und Tier. Falls sich die Tiere bei ihren Flügen einmal verirren sollten, können sie mittels eines Sender im Ring an ihren Beinen geortet werden, der eine Reichweite von fünfzehn Kilometern hat. Der Instinkt der Vögel wird trainiert Vor dem erstem Einsatz durchlaufen die Raubvögel eine mehrstufige Ausbildung. Als erstes werden sie einer Quaratäne unterzogen. Bei Vögeln, die nicht von der Insel stammen wird zusätzlich eine Blutanalyse erstellt. Außerdem werden sie gewogen. Das ist wichtig, denn satten Raubvögeln fehlt nicht nur der Jagdinstinkt, die sind auch sehr eigenwillig und könnten beispielsweise wegfliegen, da ihnen die Beutefixierung fehlt. Darum werden Tiere, selbst wenn sie nur ein paar Gramm Übergewicht haben, nicht eingesetzt.
Anschließend werden die angehenden Flughafenwächter mit ihrem zukünftigen Arbeitsumfeld vertraut gemacht. So müssen sie sich beispielsweise an die Motorengeräuschen von Autos und Flugzeugen gewöhnen. Dann beginnt der Aufbau der Beziehung zwischen Mensch und Tier: Die Vögel müssen den Falknern aus der Hand fressen.
Das Jagdverhalten wird ihnen auf spielerische Weise beigebracht. Sie müssen einem Beute-Dummy, beispielsweise einem Lederknäuel, hinterher hetzen. Mit der Zeit wird der Abstand zwischen der Beute und dem Falken immer weiter vergrößert. Dabei wird der Dummy bald durch Fleischstücke und kleinere Vögel ersetzt. Für den Falken stehen Tauben auf der Speisekarte ganz oben, gefolgt von anderen Vögeln, Küken und Hühnerstücken.
In der folgenden Ausbildungsphase werden die Raubvögel freigelassenen Tauben hinterher gehetzt. Zur Stärkung der Muskeln absolvieren sie dabei zwei bis dreistündige Flugphasen am Tag. Außerdem wird den Falken vermittelt, wie sie sich in Gefahrensituationen verhalten müssen. Zum Beispiel dann, wenn sie selbst attackiert werden.
Der Einsatz der Raubvogelstaffel ist nur aufgrund der genauen Kenntnis des Jagdverhaltens und der Abhängikeit der Tiere vom Menschen möglich, denn nur jeder zwanzigste Flug endet damit, dass die „Wächter der Lüfte“ mit einem Beutetier zurückkommen.
Doch nicht nur auf Flughäfen wird störrendes Federvieh von Raubvögeln verscheucht, auch der traditionsreiche Fussballklub Real Madrid lässt den geheiligten Rasen des Bernabeau-Stadions in der spanischen Hauptstadt Madrid von Falknern überwachen.
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