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Bienenfleissig

Honig für Kenner

Im Frühling und Sommer werden transportable Bienenkörbe in den Hochebenen Teneriffas aufgestellt
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Im Frühling und Sommer werden transportable Bienenkörbe in den Hochebenen Teneriffas aufgestellt
11.05.2006 - Teneriffa - Teneriffa ist seit jeher für seine vielfältige landwirtschaftliche Produktion berühmt. Nicht nur der Anbau von Obst und Gemüse und der Weinbau, auch das Imkerwesen hat eine lange Tradition. Aufgrund der unterschiedlichen klimatischen Verhältnisse und der vielfältigen Vegetationsformen werden hier zahlreiche Honigsorten mit unterschiedlichen Geschmacksnuancen hergestellt.

Die Imker tragen Schutzanzüge
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Die Imker tragen Schutzanzüge
Francisco Gonzales Ortega aus La Laguna ist einer der rund 500 Männer und Frauen auf Teneriffa, die sich dem Imkerwesen verschrieben hat. Sie nennen rund 12.000 Bienenstöcke ihr Eigen. 
 
Francisco liebt es in der Natur zu arbeiten und kann sich inzwischen keinen Bürojob mehr vorstellen. Er betrachtet sich als „Bienenhirt“ und vertreibt seine Erzeugnisse über kleinere Geschäfte, die er selber beliefert.
 
Obwohl die Bienen für die eigentliche Honigproduktion zuständig sind, ist der Beruf des Imkers sehr arbeitsintensiv und orientiert sich am Zyklus der Jahreszeiten. So werden im Winter die Bienenstöcke desinfiziert. Der gefährlichste Feind ist die Varroa-Milbe. Ein von diesen Parasiten befallener Bienenstock produziert keinen Honig mehr. 
 
Auch die Wachswaben auf den Brettern der, in der Regel aus Holzkisten bestehenden „colmenas“ werden ausgebessert. Im Gegensatz zu Deutschland dauert die Honigsaison auf den Kanaren aufgrund des milden Klimas erheblich länger. Außerdem wird nur der Nektar wild wachsender Pflanzen verwendet.
 
Bei der Honigherstellung wird zwischen multifloralen und monofloralen Erzeugnissen unterschieden. Den multifloralen, aus dem Nektar verschiedener Pflanzen bestehenden Honig erhält Francisco Gonzales Ortega aus rund 90 festinstallierten Bienstöcken. 

Der Honig wird in Waben gesammelt
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Der Honig wird in Waben gesammelt
Weitere 70 mobile Bienenstöcke, werden für das Sammeln des monofloralen Honigs eingesetzt. Die Grundlage des monofloralen Honig bildet der Nektar einer bestimmten Pflanze. Dafür werden die Bienenstöcke zur Blütezeit des jeweiligen Gewächses für zwei bis sechs Wochen in Regionen aufgestellt, in denen diese Pflanze überproportional stark vertreten ist.
 
Ein gutes Ernteergebnis sind zwanzig Kilo gewonnener Honigrohstoff pro Einheit. Bei nasser und kalter Witterung, wenn nur sehr wenig für die Nektarherstellung notwendiger Pollen von den Pflanzen produziert wird, kann der Imker auch schon mal leer ausgehen. Wenn es dunkel ist, bringt Francisco Gonzales Ortega seine Bienenstöcke per Allrad-Jeep an den jeweiligen Einsatzort.
 
Bei einer Tour in den weit entfernten hochgelegenen Nationalpark Canadas del Teide kann das schon mal sechs bis acht Stunden dauern, so dass er erst am frühen Morgen wieder zu Hause ist. Das Verladen ist anstrengend. Ein Bienenstock misst vierzig mal fünfzig Zentimeter. Er ist gut einen Meter zwanzig hoch und wiegt vierzig bis fünzig Kilogramm. Teilweise müssen die Holzkisten über enge Pfade in eine Schlucht geschleppt werden, manchmal werden sie auch mit einem Lift hinabgelassen.
 
Der Transport wird nachts abgewickelt, denn dann ruhen die Bienen im Bienenstock. Das Verladen muss sehr leise vor sich gehen, da die Immen bei jeder Erschütterung den Bienenstock verlassen, um die Königin zu verteidigen. Im Fahrzeug werden die übereinander gestapelten Holzkisten mit Riemen an die Fahrzeugwand gegurtet, denn „wenn ein Bienstock im Wagen umkippt, hast Du ein Problem.“
 
Ein Bienenvolk durchlebt im Laufe eines Jahres einen festen Zyklus. Im Laufe des Sommers wächst es von 15.000 auf 70.000 Tiere an. Die Lebensdauer eines Tieres verkürzt sich dagegen im Vergleich zum Winter von drei Monaten auf sechs Wochen. Wird ein Bienenstock zu gross, wird er geteilt.
 
Das Ernten des Nektars hingegen geschieht zwischen zehn und 17 Uhr, wenn die Bienen auf dem Weg zu den Blüten sind. Da Bienen bekanntlich stechen, nähert sich der Imker seinen Schützlingen im Schutzanzug mit Handschuhen und Gesichtsmaske. Tagsüber umgibt ihn eine Qualmwolke. Dadurch glauben die Tiere, dass es brennt und fliehen.
 
Nachts versprüht der Imker Wasserdampf. Die Bienen wittern dann Regen und verlassen den Bienenstock nicht. Honig ist im Prinzip nichts anderes als der Wintervorrat der Bienen, der größerer ist als Eigenbedarf des Bienenvolkes.
 
Für ein Kilogramm Honig werden vier Kilogramm Nektar benötigt, die bei rund 100.000 Flügen von den fleissigen Stacheltieren gesammelt werden. Dabei werden mehr als zwei Millionen Blüten bestäubt. Durch die Wärme im Bienenstock und ein körpereignes Sekret wird dem flüssigen Nektar die Feuchtigkeit entzogen, so dass eine kristalline Substanz entsteht, die mit dem Messer am Rande der Wachswaben abgekratzt werden kann. Daraus wird in einem vorgeschriebenen Verfahren der Honig hergestellt.
 
Im Gegensatz zu vielen deutschen Produkten wird Teneriffas Honig nicht pasteurisiert, so dass er mit Fug und Recht als frisches Naturprodukt bezeichnet werden kann. Aufgrund der verschiedenen Bodenarten in den einzelnen Regionen und den verschiedenen Klimazonen wird auf Teneriffa eine Vielzahl unterschiedlicher Honigsorten produziert.
 
Dazu zählt der Ginsterhonig, der im Frühjahr und Sommer in den Höhenlagen des Nationalparks Canadas del Teide gewonnen wird. Der traditionsreiche Honig hat eine helle Bernsteinfarbe mit leichten goldenen Nuancen. Sein Aroma ist sehr delikat. Daher wird er bevorzugt bei der Vorbereitung von Nachspeisen und zum Tee genommen. Der Natternkopfhonig stammt in der Regel aus den höheren Regionen der Gemeinden Arico und Arafo. Sein Farbe ist weiss bis hellbeige. Er kristallalisiert schnell und erlangt eine cremige Konsistenz. Sein Geschmack ist mild, das Aroma blumig.
 
Der Kastanienhonig  wird im Herbst in den mittleren Lagen des Insel-nordens sowie an den Hängen von Arafo und Candelaria hergestellt. Er kristallisiert sehr langsam und hat eine ausgesprochen dunkle Bernsteinfarbe. Sein vom Edelholz geprägter Geschmack ist sehr intensiv. Er eignet sich als Zutat bei Fleisch und Geflügegerichten. Die Heimat des Baumheidehonigs sind die von Thymian und wildem Majoran durchzogenen Wälder in den niederen Lagen.
 
Der Avocado- und Bananenhonig hingegen stammt aus den Küstenregionen und und den Talebenen Güimars, wo es zahlreiche Plantagen dieser Südfrüchte gibt. Der im Frühling produzierte Honig hat eine zum Teil sehr dunkle Bernsteinfarbe. Das Aroma ist von Nuancen geprägt, die an reifes Obst erinnern. Außerdem gibt es noch die monofloralen Relinchón-, Malpica- und Mittagsblumen- Honige, deren Produktion aufgrund der relativ geringen Verbreitung der Pflanzen nur sehr gering ist.
 
Bei den multifloralen „Mehrblüten“- Honigen wird zwischen Küsten- und Berghonig unterschieden. Der sehr helle Küstenhonig wird im Frühjahr in Regionen unterhalb der Höhe von 450 Metern gewonnen. Zu seinen Bestandteilen zählt der Nektar von Relinchón, aber auch Banane und Avocado. Der Berghonig wird von den Bienen in einer Höhe von bis zu 1.200 Metern im Sommer und Spätsommer gesammelt. Zu den Bestandteilen des sehr geschmacksintensiven Honigs zählen unter anderem der Nektar von Kastanien, Baumheide, aber auch Fenchel und Eukalyptus.
 
Das Imkerwesen auf Teneriffa ist institutionell fest verankert. Mit der „Casa de la Miel“ haben die Honigproduzenten eine feste Anlaufstelle. Hier werden ihre Erzeugnisse analysiert, klassifiziert und mit einer Herkunftbescheinigung versehen. Das „Honig-Haus“ ist auch für die Beurteilung von multifloralem und den teueren monofloralem Honig zuständig. Für letzteren muss der Honig einen entsprechenden Anteil des jeweiligen Blütentyps enthalten.
 
Auch die geschmackliche und aromatische Reinheit des Produktes wird untersucht. Unter dem Titel „Mil colores . . . Mil sabores“ (1000 Farben . . . 1000 Geschmäcker) hat das „Casa de la miel“ eine DVD herausgegeben, auf der Teneriffas Imker und  die Arbeit der der Inselregierung  Teneriffas unterstehenden Einrichtung in fünf Sprachen vorgestellt werden. Weitere Informationen erhalten Sie bei:

Casa de la Miel
Calle San Simón 51
38360 El Sauzal
Tel.: 922 562 711
Fax: 922 561 806,
casamiel@cabtfe.es