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Seemannsdrama für die ARD

Kulisse Teneriffa

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13.05.2006 - Teneriffa - Die zentrale Plaza del Adelantado versprüht an diesem Tag das Flair der fünfziger Jahre. Mehrere Oldtimer parken vor dem Rathaus der Universitätsstadt La Laguna, unter anderem ein roter Dodge, zwei schwarze Mercedes-Limousinen aus den dreissiger und fünfziger Jahren sowie ein kleiner grüner Kastenwagen.

Die Statisten sind eingewiesen
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Die Statisten sind eingewiesen
Etwas abseits stehen verschiedene LKWs und eine hydraulische Hebebühne. Ein Teil des Platzes ist mit rotweissem Trassierband abgesperrt. In dem Areal stehen zehn Tische mit weißen Tischdecken. Am einem der Tische  sitzt  der deutsche Fernsehstar Klaus J. Behrendt neben Regisseur Kaspar Heidelbach zwischen vielen spanischen Komparsen und den technischen Produktionsmitarbeitern.
 
Am portablen Büfett des Catering-Services dampft es aus Töpfen. Das Tintenfischgericht „Chocos“ steht an diesem Montagmittag auf dem Speiseplan. Die Hamburger Filmproduktion „Polyphon“ dreht an diesem Tag bis 17.00 Uhr Innen- und Außenaufnahmen für den NDR-Fernsehfilm „Der Untergang der Pamir“. Der Schiffsuntergang vor fünfzig Jahren war das erste große Unglück der Nachkriegszeit, das die Herzen der Menschen in Deutschland bewegte. Die Handlung des Films spielt auf mehreren Kontinenten.
 
La Lagunas Rathaus aus dem 15. Jahrhundert ist im Film die Hafenbehörde der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires. Auf den magnetischen schwarzen Nummerschilderrn ist deshalb auch der Name der südamerikanischen Metrople über den Ziffern zu lesen. Doch nicht nur im Zentrum der Universitätsstadt, auch auf hoher See wird gedreht. Darum hat die auf Authentizität bedachte Produktion in Russland  die „Sedov“ geordert, eine von vier Viermastbarken, die noch über die Weltmeere segeln. Die russische Crew stellt im Film einen Teil der Besatzung dar.
 
Für die Wahl des Drehortes Teneriffa  waren mehrere Gründe ausschlaggebend. In den Gewässern vor der Insel mit ihren mehr als 2.000 Meter hohen Gebirgszügen ist es möglich, bei guten Lichtverhältnissen Aufnahmen im Luv und Lee des Schiffes zu drehen, ohne dass grosse Entfernungen zurückgelegt werden müssen. Für die Szenen an Land wurde zudem ein lateinamerikanisches Ambiente benötigt.
 
La Laguna ersetzt Buenos Aires

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"Ton? Läuft! Kamera? Läuft! Action!!!"
Da bot sich La Laguna förmlich an, da die einstige Inselhauptstadt als architektonisches Vorbild für eine Vielzahl von Städten in Mittel- und Südamerika diente, denn  die spanischen  Schiffe legten auf ihrem Weg in die neue Welt oftmals einen Zwischenstopp auf den Kanaren ein. Auch die Fahrzeuge und Kostüme stammen von der Insel. Sie wurden bei Sammlern und im örtlichen Theaterfundus geliehen.
 
Die Statisten wurden nach einem Zeitungsaufruf im „La Granja“-Park in Santa Cruz rekrutiert. Sie sitzen noch an den Tischen, während die nächste Szene vorbereitet wird. Die technischen Assistenten montieren mit Hilfe einer Wasserwaage die Schienen für die Bahn des Kamerawagens  und gleichen Unebenheiten auf dem Bordsteinpflaster mit Holzplättchen aus.
 
Kameramann Daniel Koppelkamp spricht derweil mit Regiesseur Kaspar Heidelbach noch einmal die nächste Einstellung durch. Es ist eine kurze Kamerafahrt, bei der Klaus J. Behrendt in seiner Rolle als Bootsmann Lüders in seinem weissen Ausgehanzug die Hafenbehörde verlässt, sich seine schwarze Schirmmütze aufsetzt und um die Ecke marschiert. Dort kommt er an einer Kindergruppe vorbei, die von einer Nonne geführt wird. Unwillkürlich muss er sich zweimal zu den Kindern umdrehen.
 
Es ist eine Szene, die die Vergänglichkeit der menschlichen Existenz symbolisieren soll. Doch nicht nur Behrendt und die Kindergruppe sind im späteren Fernsehbild zu sehen; vor dem Rathaus wurde eine großstädtische Strassenszene nachgestellt: Autos fahren vor, viele elegant gekleidete Passanten überqueren die Fahrbahn. Neben dem Rathaus bieten Schuhputzer, Gebäckverkäufer und indianische Strassenhändler ihre Waren und Dienste an.
 
Alles läuft wie am Schnürchen

Kurze Szene mit Klaus J. Behrendt
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Kurze Szene mit Klaus J. Behrendt
Bei der Szene wird nichts dem Zufall überlassen. Es gibt einen festen dramaturgischen Ablauf. Deshalb weisen die deutschen und spanischen Regieassistentinnen den Statisten ihre Positionen zu,  die anschließend  ebenso wie die Standorte der Autos vom Regisseur noch einmal überprüft werden. Auch das Kamerateam probt mehrmals die gut fünf Meter lange Fahrt auf den Schienen.
 
Schließlich gibt die spanische Assistentin Sylvia per Megaphon die Kommandos „Ton“, „Kamera“ und vor der Linse wird die Klappe geschlagen. Die Autos fahren an und die Passanten überqueren die Strasse. Auf den Zuruf „Klaus“ setzt sich der Hauptdarsteller in Bewegung. Trotzdem klappt auf Anhieb nicht alles wie geplant. Die Szene muss mehrmals wiederholt werden. Mal fahren die Autos zu früh los, mal ist die Kindergruppe zu weit von der Strassenkreuzung entfernt.
 
Nach dem fünften Durchlauf ist die Einstellung im Kasten. Es folgen die Vorbereitungen für den sogenannten „Gegenschuss“, eine kontrastierende Einstellung, die später zwischengeschnitten werden wird: Ein langer Kameraschwenk, bei dem die Gesichter der vorbeilaufenden Kinder aus der Nähe zu sehen sind.
 
Technische Tricks

Die vorbeilaufende Kinder werden aus einer anderen Perspektive gefilmt
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Die vorbeilaufende Kinder werden aus einer anderen Perspektive gefilmt
Dazu wird die Schiene der Kamerabahn vom Platz vor die Rathausmauer in der Seitenstrasse verlegt. Zusätzlich werden an beiden Seiten des Sets riesige Scheinwerfer aufgebaut, um  störende Schatten zu neutralisieren. Aus dem gleichen Grund wird mit den Megastrahlern bei den anschließenden Innenaufnahmen der Sitzungssaal des Rathauses ausgeleuchtet. Da es im Rathaus sehr eng ist, werden sie auf Hydraulik-Bühnen gepackt und vor die Fenster im ersten Stock gefahren.
 
Die Fernsehproduktion „Der Untergang der Pamir“ ist ein Film, bei dem eine erfundene Geschichte auf einem wahren Ereignis aufbaut. Das Segelschulschiff sank während eines Sturms am 21. September 1957 auf seiner Rückreise von  Südamerika südwestlich der Azoren. Von den 86 Mann Besatzung wurden nach einer mehrtägigen Suche nur sechs Seekadetten aufgefischt, von denen erstaunlicherweise später fünf selbst das Kapitänspatent erwarben. Der Rest ertrank oder wurde ein Opfer der Haie.
 
Im Film wird der von Klaus J. Behrendt verkörperte Acki Lüders nach dem Tod seiner Frau vom 1. Offizier Hans Ewald (Jan Josef Liefers) überredet, auf der Pamir mitzusegeln. Beide versuchen den von Herbert Knaup dargestellten Kapitän vergeblich davon zu überzeugen, dass die Ladung nicht korrekt verstaut wurde, so dass die Katastrophe ihren Lauf nehmen muss. 
 
Schiff mit bewegtem Leben

Die Pamir war eine Viermast-Stahlbark aus der Werft Blohm und Voss, die 1905 vom Stapel lief und auf der Route nach Südamerika eingesetzt wurde. Sie war 96 Meter lang, 14 Meter breit und hatte einen Tiefgang von acht Meter. Das Leergewicht betrug 2.248 Tonnen, das Ladegewicht 4.106 Tonnen Die 32 Segel plus Stagsegel hatten eine Fläche von 4.000 Quadratmetern. Zwischen 1914 und 1920 ankerte sie vor La Palma, nachdem der Kapitän vom Ausbruch des ersten Weltkriegs erfahren hatte.
 
Das Schiff wurde als Wiedergutmachung an Italien abgetreten und wurde anschließend von einer deutschen Reederei zurückgekauft. In den dreissiger und vierziger Jahren war es für eine finnische Reederei auf der Australien-Route unterwegs.  Nach dem 2. Weltkrieg wurde die „Pamir“  als Segelschulschiff der Handelsmarine bei sechs Fahrten eingesetzt.
 
Eine Untersuchung des Unglücks ergab, dass  menschliches Versagen der Hauptgrund für die Schiffskatastrophe gewesen ist. So war die Getreideladung nicht genügend gesichert worden. Auch waren beim Heranziehen des Sturms weder die  Luken des Schiffes nicht schnell genug geschlossen und weite Teile der Segel  nicht früh genug gerefft worden.  Der Film beginnt mit einer Einführung der Personen vor dem Ablegen des Schiffes und endet mit dem Untergang.
 
Die Abfahrt aus Deutschland wurde in Hamburg gefilmt, der Untergang wird mit einem zwanzig Meter langen Modell vor Malta nachgestellt.
 
Mit der Verfilmung von Unglücken in der Arbeitswelt haben weite Teile des Teams reichhaltige Erfahrung: Nicht nur  Regiesseur Heidelbach, Klaus J. Behrendt und Jan Josef Liefers, auch Kameramann Daniel Koppelkamm war vor zwei Jahren an dem Streifen „Das Wunder von Lengende“ beteiligt, der TV-Aufarbeitung des legendären Bergwerksunglück im Jahre 1963. Buchautor Fritz Müller-Scherz hat sich als Regie-Assistent von Rainer Werner Fassbinder und mit dem Drehbuch des Wim Wenders-Werkes „Der amerikanische Freund“ mit Dennis Hopper in der Hauptrolle einen Namen gemacht. „Der Untergang der Pamir“ soll zwischen Herbst 2006 und Frühjahr 2007 in der ARD gezeigt werden.