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Der Inselpräsident

Heimatverbunden

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13.05.2006 - Teneriffa - Für Ricardo Melchior gibt es keinen besseren Job als den des Inselpräsidenten, „er ist schöner als ein Bürgermeisteramt oder der des Präsidenten der kanarischen Regionalregierung“, sagt der Regierungschef von Teneriffa schmunzelnd in fliessendem Deutsch. Melchiors Vorfahren stammen aus Deutschland und Dänemark. Er selbst wurde nach einem spanischen Studienabschluss als Maschinenbauingenieur in Aachen zum Wirtschaftsingenieur ausgebildet.

Ricardo Melchior bei der Romería in San Benito in  ortsüblicher Tracht
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Ricardo Melchior bei der Romería in San Benito in ortsüblicher Tracht
Die Herkunft ist auch der Grund dafür, dass Melchior neben der schrillen Punk-Diseuse Nina Hagen und dem Ex-James Bond-Darsteller Roger Moore anlässlich des 200. Geburtstags des Dichters zu einem der 200 Botschafter des Hans-Christian Andersen-Jahres ernannt wurde. Seit sechs Jahren ist er jetzt Präsident des Cabildos der Insel Teneriffa, ein Amt dessen Kompetenzen vergleichbar mit denen eines deutschen Landrates sind. In den zwölf Jahren zuvor leitete Melchior in der Inselregierung die Abteilungen für Wissenschaft und Forschung, Landwirtschaft und Wasserwesen sowie Planung und Entwicklung.
 
Das die Politik für Ricardo Melchior Beruf und Berufung wurde, passierte  eher „zufällig“. Bekannte hatten ihn 1987 überredet, auf den vorderen Listenplätzen der Coaliciòn Canaria kandidieren. Als die Partei entgegen aller Prognosen die Wahl gewann, übernahm er ein Regierungsamt. Den rasanten Wandel der Insel hat der heute 58-jährige seit seiner Jugend verfolgt.
 
Einst war die Inselhauptstadt Santa Cruz eine Kleinstadt. Dort wo sich heute die Container im Hafen stapeln, befanden sich früher Strände und eine kleine Bucht. Es gab kein Fernsehen, kaum Geschäfte. Die Kinder spielten in den Strassen, weil es sonst nichts gab. Das war damals möglich, denn vor fünzig Jahren gab es auf der Insel gerade mal 5.000 Autos. Heute sind es hundertmal so viele.
 
In der kanarischen Kultur verhaftet

Der Inselpräsident bei der Semana Santa
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Der Inselpräsident bei der Semana Santa
Die Sommerferien verlebte er mit seinen Eltern in Valle de Guerra und verrichtete Landarbeiten. Er melkte Kühe, übte sich im traditionellen Ringkampf „Lucha Canaria“ und erlernte das kanarische Saiteninstrument „Timple“. Das er diese Zeit genossen hat, merkt man ihm durchaus an, beispielsweise dann, wenn er Bücher zur Regionalgeschichte im repräsentativen Salon Noble des Inselpalastes vorstellt und dabei Anekdoten erzählt und einen großen Teil der Zuhörer mit dem Vornamen ansprechen kann.
 
Sport hatte in Ricardo Melchiors Jugend einen hohen Stellenwert. Er spielte Basketball in der ersten spanischen Division gegen große Vereine wie den FC Barcelona und erinnert sich noch heute daran, dass wir „zuhause nur gegen Real Madrid und Valladollid verloren haben.“ Der Sport hat ihn seiner Meinung nach geprägt, denn dort lernt man: „diszpliniert zu sein, für den Erfolg zu schwitzen, mit anderen zusammenzuspielen, unangenehme Entscheidungen zu akzeptieren.“

Bei der Vorstellung der Straßenbahn
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Bei der Vorstellung der Straßenbahn
Auch  der Kontakt zu Menschen ist nach Ansicht des Inselpräsidenten wichtig, um als Politiker erfolgreich zu sein: „Es ist so:  ich bin ein Teil der Insel, die Insel ist ein Teil von mir. Der direkte Kontakt zu den Leuten ist hier noch wichtiger als in gleichgroßen Provinzen  auf dem spanischen Festland. Man kennt auf einer Insel mehr Leute,. Das ist einfach so.“  Wichtig ist es auch „natürlich sein, denn die Leute merken es, wenn man sich verstellt.“
 
Die Förderung regenerativer Energie liegt Teneriffas Regierungschef besonders am Herzen. Seit seinem Studium beschäftigt er sich mit Solar- und Windenergie, Biomasse und den Kosten der Energieversorung für die Regionalökonomie.  Unter Melchiors  Federführung entstand Teneriffas Institut für Erneuerbare Energien, ITER, das zahlreiche Projekte im Rahmen der sogenannten angepassten Energien in Nordafrika und Lateinamerika erfolgreich durchgeführt hat.
 
Das in Deutschland in erheblich größeren Maße auf sanfte Energien gesetzt wird als in  Spanien und auf der mit vielen Sonnenstunden gesegneten Insel Teneriffa ist Ricardo Melchio durchaus bewußt: „Man könnte mehr machen, nur wir als Inselregierung haben auf die regionale Energiepolitik keinen Einfluss.“ Wie im Sport bedarf es auch in der Politik  zur Erzielung kleiner Fortschritte  oft großer Anstrengungen.