Festival de TiteresPuppentheater auf Teneriffa | | © tfpelmarw |  | | Puppenspieler im Kulturhaus in Los Realejos | 23.04.2007 - Teneriffa - Ob Marionetten, schwere Standfiguren oder Gegenstände des täglichen Gebrauchs und Schattenspiele: Auf dem "Festival de Titeres" können Künstler unterschiedlicher Prägung bewundert werden. In diesem Jahr gibt es Spielorte in Los Realejos, Santa Cruz und El Sauzal. Im Anschluß an den folgenden Artikel finden Sie das diesjährige Programm.
 | | | © tfpelmarw |  | | Figuren aus dem Stück "Prinzessin auf der Erbse" | Es ist dunkel im Saal. Nur der kleine Tisch mit den Stangen an denen eine Holzpuppe hängt ist im schummerigen Licht der Scheinwerfer zu erkennen. Auf einem mit der Hand bemalten Transparent kann man die Ankündigung „Hoy Rigoletto“ entziffern. Ganz klar, heute wird hier die Puppenspiel-Version besagter Verdi-Oper aufgeführt. Über das wissen die Zuschauer bereits Bescheid, denn deshalb sind sie hier und warten gespannt darauf, wie das auf einem Theaterstück von Victor Hugo basierende Werk als Figurentheater dargeboten wird. Plötzlich erklingen die ersten Töne der Ouvertüre und die beiden in ein schwarzes mittelalterliches Wams gekleideten Puppenspieler erscheinen auf der mit hohen schwarzen Vorhängen dekorierten Bühne. Das weiße Transparent mit dem Titel des Stückes verschwindet. Dann werden die langen Stangen umgesteckt und Seitenplatten des Tische heruntergeklappt und los geht´s. Es ist eine ungewöhnliche Aufführung. Bevölkern in der Oper Komparsenheere die Bühne, werden die Akteure auf der Puppenbühne auf die wesentlichen Figuren reduziert.
 | | | © tfpelmarw |  | | Auftritt auf der Plaza del Charco in Puerto de la Cruz |
Der fiese behinderte Titelheld, der Hofnarr Rigoletto, ist eine knapp vierzig Zentimeter große Holzfigur, bei der alle Glieder beweglich sind. Bei den restlichen, zum Teil einen halben Meter hohen Standpuppen können die Dialoge nur durch die Gesten der beweglichen Arme untermalt werden. Wichtig für das Verständnis des Stückes ist die Anordnung der Figuren auf und vor dem Tisch, auf dem die Geschichte gespielt wird. Die raumgreifende Choreografie der personalintensiven Handlung auf der großen Opernbühne wird auf diese Weise auf ihre Grundstruktur reduziert, bleibt aber trotzdem für den Zuschauer nachvollziehbar. Die Opernarien erklingen in Italienisch, die Zwischentexte werden jedoch auf deutsch vorgetragen. Und dass, obwohl der Großteil des Publikums aus Spaniern besteht. Nach Ansicht von Stefan Schlafke und Silke Technau vom Berliner “Kobalt Figurentheater” ist die Sprachbarriere jedoch kein Problem, “denn auch in Deutschland wird der Rigoletto ausschließlich in Italienisch gesungen”, was bedeutet, dass das Publikum die Liedtexte nicht versteht und Zuschauer, die das Verdi-Werk nicht kennen, die Handlung nur schwer nachzuvollziehen können.
 | | | © tfpelmarw |  | | Rigoletto |
Um das zu vermeiden, hat das “Kobalt”-Theater vor Beginn der zweiaktigen Aufführung Handzettel mit einem Abriß der Handlung in Deutsch und Spanisch verteilt. In der Regel besteht das “Rigoletto”-Publikum ohnehin aus Zuschauern, die das Opern-Genre mögen. Diese Kunstgattung ist bekanntlich nicht Jedermanns Sache, ist die Handlung doch im Gegensatz zum Action-Film eigentlich nur ein Vorwand, um Arien in phantasievollen Kostümen mit raumgreifenden Gesten vor einer prachtvollen Kulisse singen zu können. Auch die Puppenversion der Verdi-Oper lebt neben der Musik vor allem von der Mimik und Gestik der Puppenspieler, deren Gesichter sich hell vom schwarzen Hintergrund des Bühnenbildes abheben. Dabei erfordert die Aufführung von den beiden Akteuren volle Konzentration. Jede Figur wird in einer anderen Tonlage und mit einem anderen Gesichtsausdruck gesprochen. Zum Teil bewegt ein Akteur mehrere Puppen auf einmal und muss bei Dialogen blitzschnell zwischen zwei Charakteren mit unterschiedlicher Tonlage hin- und herwechseln. Auch die Nuancierung der Worte, die Art, wie gesprochen wird, prägt die Inszenierung.
 | | | © tfpelmarw |  | | Rigoletto |
Zusätzlich wurde die Beleuchtung den einzelnen Szenen angepasst. Die Bühne wird mal in gleissend helles, mal in schummrig grünes Licht getaucht, wobei jedes Mal eine eigentümliche Athmosphäre geschaffen wird. Die “Leute reagieren stark auf Stimmungen“, weiss Puppenspieler Stefan Schlafke. Ihm ist bewußt, dass man den Puppen-Rigoletto nur geniessen kann, wenn man offen für Neues ist und keine feste Erwartungshaltung hat. Diese Erfahrung hat er in einem “Selbstversuch” bei englischen Kollegen gemacht. Dort war er Zuschauer bei einem Shakespeare-Stück, das in der englischen Diktion des 15. Jahrhundert aufgeführt wurde und “obwohl ich einen Großteil der Worte überhaupt nicht kannte, habe ich doch alles verstanden”. Das “Kobalt Figurentheater” ist eine von mehreren Gruppen, die im Sommer 2006 beim alljährlichen Puppentheater-Festival in Los Realejos aufgetreten sind. Es fand bereits zum 16. Mal statt. Auftrittsorte waren neben dem örtlichen Kulturhaus, die Plaza del Charco in Puerto de la Cruz und das Theater in El Sauzal. Darüberhinaus gab es Aufführungen auf La Gomera und auf Lanzarote.
 | | | © tfpelmarw |  | | Figurenstellprobe |
Mit “Räuber Hotzenplotz” oder “Kaspar haut Seppl” hat vieles, was heute auf der Puppenbühne gespielt wird, nicht mehr viel zu tun. So bot beispielsweise die Gruppe “Taller Baruti” aus Griechenland vor einer Pappkartonkulisse eine apokalyptische Vision dar, in der einer Naturidyll den Baumaschinen zum Opfer fällt. Statt Puppen nutzten die Künstler Figuren, die aus Gegenständen des alltäglichen Gebrauchs hergestellt worden waren. So symbolisierten Schere und Kette die Schlange, Vögel wurden aus zwei Löffeln geformt, ihr Gesang mit verschiedenen Pfeifen und einer Mundharmonika imitiert. Trotz des nahezu völligen Verzichts auf Sprache war die von punktuiertem Musikeinsatz und einer stimmigen Lightshow untermalte Handlung jederzeit nachvollziehbar und funktionierte ähnlich wie ein Tanztheater. In der Tat hat die moderne Technik die Ausdrucksformen der Puppenbühnen erweitert und dabei den Einsatz von Schattenspielen unterschiedlichster Art ermöglicht. Für Stefan Schlafke und Silke Technau hat das Puppentheater auch den großen Vorteil, dass man „nicht an einer vorgegebenen Dramarturgie kleben muss“.
 | | | © tfpelmarw |  | | Scheinwerferinstallation |
So ist auch der “Rigoletto” keine werkgetreue Wiedergabe der Verdi-Oper, sondern eine auf zwei Stunden reduzierte Collage aus Fragmenten und Arien, was für die Puppenspieler auch den Vorteil hat, dass sie nicht über die doppelte Distanz die zum Teil recht schweren Holzpuppen bewegen müssen. Wie die meisten Puppenbühnen hat auch das “Figurentheater Kobalt” sowohl Stücke für KInder und wie auch für Erwachsene im Programm. So wurde auf der Plaza del Charco in Puerto de la Cruz “Die Prinzessin auf der Erbse” in spanischer Sprache als “La princesa y el guisante” aufgeführt. Da die Berliner kein Spanisch sprechen, hatten sie das Stück unter muttersprachlicher Anleitung in spanischer Sprache aufgenommen und bei der Aufführung die Dialoge im Playback-Verfahren vom Band ablaufen lassen. “Es war eine interessante Erfahrung”, sagt Stefan Schlafke über diese Arbeitsweise, die sich allerdings nicht als praktikabel erwies. Die Konzentration der Akteure war noch stärker gefordert als bei Auftritten mit live gesprochenen Dialogen. Die Puppenspieler mussten den Mund synchron zu den aus den Lautsprechern schallenden Worten bewegen und dabei den eigenen Einsatz möglichst nicht verpassen, obwohl sie sich nicht am Textinhalt orientieren konnten. Hinzukam das Problem eines möglichen Technikausfalls und die aufrund fehlender Sprachkenntnisse verringerten Möglichkeiten, Pannen durch Improvisation überbrücken zu können. Angesichts zukünftiger Auslandsauftritte gibt es daher die Überlegung, Stücke mit weniger Text aufzuführen, verstärkt mit Geräuschen zu arbeiten und mehr Kulissen mitzunehmen, um mehr Variationsmöglichkeiten zu haben, auch wenn sich der Transportaufwand dadurch beträchtlich erhöht.
 | | | © tfpelmarw |  | | Befestigung des Fußschalters |
In der Tat ist ein Figurentheater eine schwergewichtige Angelegenheit: Vorhänge, Lautsprecher, Puppen, Lichtanlage . . . alles in allem wog die mitgebrachte Ausrüstung bereits dieses Mal mehr als 280 Kilo. Es gab eine umfangreiche Packliste, damit nichts vergessen wurde und eine bestimmte Packtechnik, um das Risikio der Transportschäden zu minimieren und auch wirklich alles in den eng bemessenen Stahlkisten unterbringen zu können. Selbst der “Rigoletto”-Tisch konnte in seine einzelnen Bestandteile zerlegt werden. Geht der Abbau ziemlich schnell, so dauert der Aufbau meist erheblich länger als die eigentliche Aufführung. Besonders zeitintensiv ist die Installation der Licht- und Soundanlage. Jeder der zahlreichen Stecker muss in der richtigen Buchse stecken. Es gibt viele Stellproben mit und ohne Puppen um die Scheinwerfer für die optimale Stellung hinsichtlich des Spiels von Licht und Schatten auszurichten. Auch der Fußschalter zum Auslösen von Licht- und Soundeffekten muss per Gaffer-Band an einer geeigneten Stelle auf dem Boden befestigt werden. Der Ablauf wird dabei von einer Software gesteuert. Inzwischen gibt es sogar den extra für die Bedürfnisse der Puppenspieler entwickelten Rechner „Compu-Light“auf dem Effekte mit einer Spieldauer von bis zu 45 Minuten gespeichert werden können.
 | | | © tfpelmarw |  | | Stellprobe der Figuren |
Auch die Akkustik wird erprobt. Das ist insbesondere beim „Rigoletto“ sehr wichtig, da die Stimmen der Puppenspieler vor einer Musik agieren die mal sehr leise ist, aber auch von stark anschwellenden Cresencendos geprägt wird. Für die Klangqualität ist die Form und Beschaffenheit des Raumes von entscheidender Bedeutung. Ein Mehrzweckraum mit Wandbehängen aus Stoff und langen Vorhängen, der zudem noch sehr breit und nicht sehr tief ist, lässt den Klang automatisch „stumpfer“ widerhallen. Wenn der Aufbau abgeschlossen ist, folgt vor der Vorstellung die „Ruhephase“, das Umschalten auf das Spiel. Dann „musst Du die andere, die emotionale Hirmhälfte aktivieren. Wie ein Schauspieler auch“, weiss Stefan Schlafke. So machen die „Kobalt“ler Körper- und Sprechübungen, um locker zu werden und trainieren beispielsweise die Artikulation von Vokalen und Konsonanten. Was die Puppenspieler an ihrem Job ganz besonders schätzen ist der ganzheitliche Ansatz, der neben den künstlerischen auch technische und wirtschaftliche Anforderungen umfasst. Das „Puppentheater hat Traditionen bewahrt, die am heutigen arbeitsteiligen Staatstheater verloren gehen“, sagt Stefan Schlafke. Autoren, Bühnenbildner, Figurenbauer und Puppenspieler arbeiten von Beginn an eng zusammen.
 | | | © tfpelmarw |  | | Überprüfung |
Sie entwickeln Ideen, Figuren und Charaktere von der ersten Skizze an.“ Was folgt, ist die Improvisationsphase, in der die Dramaturgie entwickelt und „Holpertexte“ ausgemerzt werden. Zum Schluß folgt die Choreographie des Lichtes. Bevor das Stück dann fest ins Repertoire aufgenommen wird, folgen Testaufführungen vor Publikum, um auszuprobieren ob auch alles wie gedacht bei den Zuschauern ankommt. Die Entwicklung eines Stückes für Erwachsene dauert von der ersten Idee bis zur Premiere Erwachsene rund zwei Jahre. Der Entwicklung eines Stückes für Kinder läuft über ein Jahr, allerdings ist der Arbeitsprozess erheblich intensiver. „Kids sind ein knallhartes Publikum. Insbesondere, was das Timing angeht.“, weiss Stefan Schlafke. Darum werden in der erstem Vorführphase die Reaktionen der kleinen Racker genau registriert. Anschließend wird am Stück „immer weiter gefeilt“. Beim Einbau von Gags wird genau darauf geachtet, welche Trends in Kindergarten und Grundschule gerade angesagt sind, denn „man kann über die Kurzen nicht hinwegspielen.“ www.kobalt-berlin.
Festival de Titeres Programm 2007
Kulturhaus Los Realejos Sa. 28. April, 16 Uhr: Open Air Workshop für Kinder mit Garabatos-K 28. April, 18 Uhr & 21 Uhr : El circo de madera/Karromato
So. 29. April, 16 Uhr: Open Air Workshop für Kinder mit Garabatos-K
So. 29. April, 18 Uhr Uhr: Juan Romeo y Julieta María/El Chonchón
So. 29. April, 21 Uhr: Tresespinas/El Chonchón
Mo. 30. April, 16 Uhr: Open Air Workshop für Kinder mit Garabatos-K
Mo. 30. April, 18 Uhr & 21 Uhr: Antología/Jordi Bertran
Di. 1. Mai, 16 Uhr: Open Air Workshop für Kinder mit Baruti 1. Mai, 18 Uhr & 21 Uhr: Handiwork/Lejo Mi. 2. Mai, 16 Uhr: Open Air Workshop für Kinder mit Baruti Mi. 2. Mai, 18 & 21 Uhr: Va donde te llevan los pies/Laura Kibel Do. 3.Mai, 16 Uhr:Open Air Workshop für Kinder
Mi. 3.Mai, 18 Uhr: Zapaterito y el Dragón/Máquina real
Do. 4.Mai,16 Uhr: Open Air Workshop für Kinder mit Baruti
Do. 4. Mai, 18 Uhr & 21 Uhr: Andarandando/Gente Teatro Fr. 5. Mai, 16 Uhr: Open Air Workshop für Kinder mit Baruti Fr. 5. Mai, 18 Uhr & 21 Uhr: Fantasías Folclóricas/Teatro Varna
Plaza del Príncipe / Santa Cruz
So. 29. April, 16 Uhr & 19 Uhr: El circo de madera/Karromato Mo. 30. April, 16 Uhr & 19 Uhr: Juan Romeo y Julieta María/El Chonchon
Di. 1. Mai, 17 Uhr & 19 Uhr: Antología/Jordi Bertran
Mi. 2. Mai, 17 Uhr & 19 Uhr: Andarandando/Gente Teatro Do. 3. Mai, 17 Uhr & 19 Uhr: Fantasías Folclóricas/Teatro Varna
Fr. 4. Mai, 17 Uhr & 19 Uhr: Va donde te llevan los pies/ Laura Kibel
Sa. 5. Mai, 17 Uhr & 19 Uhr: Handiwork/Lejo
El Sauzal Do. 3. Mai, 11Uhr: Handiwork/ Lejo
Do. 3 Mai, 16 Uhr: Open Air Workshop für Kinder mit Baruti
Fr 4. Mai, 11 Uhr: Antología/ Jordi Bertran
Fr. 4. Mai, 16 Uhr: Open Air Workshop für Kinder mit Baruti
Sa. 5. Mai, 18 Uhr: Zapaterito y el Dragón/Máquina real
Sa 5. Mai, 18 Uhr: Va donde te llevan los pies/ Laura Kibel
© 2004 by Teneriffa Panorama Alle Rechte vorbehalten Vervielfältigung nur mit Genehmigung der Teneriffa Panorama |
|
|
|