Teneriffa      La Palma      La Gomera      El Hierro


Metallträume

Kunstwerke mit dem Schweissgerät

Hundeskulptur von Julio Nieto
© tfpelmarw
Vergrößern
Hundeskulptur von Julio Nieto
11.05.2006 - Teneriffa - Das Atelier von Julio Nieto in La Orotava liegt versteckt zwischen Bananenplantagen in der Nähe der Autobahn und ist nur über einen schmalen Feldweg zu erreichen. Es befindet sich im ehemaligen Maschinenhaus einer Pumpstation, die einst Wasser in das höhergelegene Auffangbecken beförderte.

Metall-Designer Julio Nieto
 © tfpelmarw
Vergrößern
Metall-Designer Julio Nieto
Julio Nieto hat das Gebäude nach seinen eigenen Vorstellungen umgebaut und eine obere Etage eingezogen. Im vorderen Teil des Hauses ist die Werkstatt untergebracht, in der die beiden Hunde des Hausherrn in der Ecke vor sich hin dösen. Daran schliesst sich das Studio mit der integrierten Küche an.
 
Im oberen Stockwerk befindet sich das Büro des Künstlers. Im Fussboden des Büros stechen dicke Glasplatten ins Auge. Sie ermöglichen, dass  es auch im Erdgeschoss natürliches Licht gibt. Die Decke ist  mit reflektierenden Aluminiumplatten verkleidet, der Boden ist aus Holz, was für den Nieto die „Verbindung von modernen kalten Elementen und warmen urwüchsigen Materialien bedeutet.
 
Auf dem Tisch liegen Skizzen für einen Tisch im neugegründeten Kastanienmuseum in La Victoria. Dabei werden  die runden Formen der Frucht und die Zacken der Blätter kombiniert. In La Victoria und im Nachbarort La Matanza gibt es in den höheren Lagen viele Kastanienbäume.

Kücheneinrichtung
 © tfpelmarw
Vergrößern
Kücheneinrichtung
Die Baumfrucht bildete einst die Basis der Ernährung der armen Landbevölkerung. Derzeit ist die Regierung bestrebt, den Kastanienanbau verstärkt zu fördern. Julio Nieto ist allerdings nicht auf den Kanaren aufgewachsen, sondern ist vor zwanzig Jahren aus dem Baskenland nach Teneriffa umgesiedelt.
 
Der ausgebildete Keramiker bot Kurse an, bevor er sich anderen künstlerischen Ausdrucksformen zuwandte. Die Metallver- und bearbeitung hat er sich selber beigebracht. Er ist vor allem für seine Metallskulpturen bekannt, stellt aber auch Möbel her, designt Messestände und entwirft bei Bedarf Layouts für Bücher.

Büro-Mobiliar
 © tfpelmarw
Vergrößern
Büro-Mobiliar
So hat er für die Gemeinde La Victoria verschiedene Tore öffentlicher Gebäude hergestellt, die allen ihren eigenen Charakter haben. Da gibt es harmonische Wellenformen, hervorstechende Spitzen und strenge Linien. Sein aktueller Entwurf ist ein Metallband, das vor eine Mauer gestellt werden soll, damit sie nicht so trostlos aussieht.
 
Deshalb schweißt der Künstler jetzt wellenförmige Metallmosaike, wo an einigen Stellen Glasplatten eingefügt werden. Julio Nieto arbeitet hauptsächlich mit Metall, „denn das geht schneller als das Modellieren von Holz. Man setzt zwei Schweißpunkte und schon hat man ein Resultat. Bei Holz muss man dagegen lange raspeln und feilen.“ 

Bad-Design
 © tfpelmarw
Vergrößern
Bad-Design
Den Arbeitsprozess des Schweißens beschreibt er hingegen als „Hölle. Da ist es heiß. Funken sprühen.“ Deshalb beschränkt sich die Metallverarbeitung auf den Vormittag. Am nachmittag sitzt der Designer am Computer und entwirft neue Objekte. 
 
Julio Nieto sieht sich nicht nur als freier Künstler, der seine eigenen Vorstellungen realisiert, sondern auch als Dienstleister: „Die meisten Kunden kommen zu mir, weil sie eine Problemlösung suchen und ich mache mir dann Gedanken.“ 

Tor mit Wellenform in La Victoria
 © tfpelmarw
Vergrößern
Tor mit Wellenform in La Victoria
Bei den Möbeln kommt es seiner Meinung nach vor allem „auf Funktionalität“ an, auch wenn er ihnen seinen eigenen Stempel aufdrückt. So haben die Stühle in seinem Büro beispielsweise eine kleine, schräge Lehne, so dass man leicht zurückgelehnt sitzen kann. 
 
Die Stühle um den Esstisch im Studio hingegen wirken sehr streng, die grauen Schränke und Metallplatten von Küchenschrank und Spüle bilden einen starken Kontrast zur gelben Wandfarbe und den hölzernen Treppenstufen. Bei der Gestaltung von Bühnenbildern hingegen hängt die Gestaltung stark vom Inhalt des Stückes ab. 

Der gefallene Engel
 © tfpelmarw
Vergrößern
Der gefallene Engel
Ähnlich verhält es sich mit Hauseingängen und Grundstückszufahrten, nur dass dort auf die vorhandenen Gegebenheiten Rücksicht genommen werden muss. Dabei können sich die Tore entweder dem Umfeld anpassen oder einen Kontrast bilden. Der Künstler wird auch von der Insel Teneriffa inspiriert. 
 
Vor allem die Wellenform taucht immer wieder auf, was nicht verwundert, da eine Insel an allen Seiten von Wasser umgeben ist.
 
Bei seinen Skulpturen hat Julio Nieto verschiedene Arbeitsweisen entwickelt. So erstellt er Hohlkörper aus Metallplatten.

Frauenskulptur
 © tfpelmarw
Vergrößern
Frauenskulptur
Dazu gehören unter anderem die Werke „Viajero“ und „Hierro“. Die knapp zwei Meter hohe Skulptur „Viajero“, auf deutsch „Reisender“, steht unter dem Motto „Durchquere die Welt . . bewahre sie in Dir auf . . . reflektiere sie in Stahl“. 
 
Dabei ist das eine Auge ein Globus, der durch einen kleinen Motor angetrieben wird. „Hierro“  zeigt einen agressiven Hund. Die begleitenden Worte sind „Zorn . . „, „Verletzung . . Krieg . . .“. In der Ausstellung wird eines der Hinterbeine mit einem Stück rohem Fleisch garniert, um die Verletzung zu verdeutlichen. 
 
Die kleineren Statuen hingegen sind aus Bronze mit strukturierter Oberfäche. Ein drittes Stilmittel ist die Formung von Figuren aus dicken gewundenen Rundmetallen.
 
Doch nicht nur auf Teneriffa, auch in Frankreich und Luxemburg wurden Julio Nietos Skulpturen gezeigt. In Deutschland waren sie unter anderem in Heidelberg, Erlangen und München zu sehen. Weitere Informationen erhalten Sie unter: www.julionieto.com.