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Das "lateinische" Segeln

Wind und Wellen

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13.05.2006 - Teneriffa - Das traditionelle "Vela Latina", das traditionsreiche Segeln mit "Lateiner"-Segel wird wird auf Teneriffa gelehrt und betrieben. Viele Menschen verbinden die Kanarischen Inseln mit Sonne, Wind und Wellen gleich. Natürlich wird hier auch gesegelt. So nimmt beispielsweise Kronzprinz Felipe jedes Jahr an der berühmten Regatta vor Las Palmas teil.

Sogar Vela Latina-Regatten werden gesegelt
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Sogar Vela Latina-Regatten werden gesegelt
Doch nicht nur Yachten und olympische Sportbootklassen haben ihre Anhänger, auch das traditionelle Segeln mit dem sogenannten „Lateiner-Segel“, das „Vela Latina Canaria“,  hat sich hier erhalten und wird sogar als Wettkampfsport betrieben. 
 
„Lateiner-Segel“ sind dreieckige oder trapezförmige Segeltücher deren Ursprung bis ins Altertum zurückreicht. Bereits vor über 5000 Jahren war bekannt, dass der Wind zur Fortbewegung von Schiffen nutzbar ist. Doch die Technik war noch nicht so ausgereift, dass in dieser Weise jede Route befahren werden konnte. Deshalb wurden die Schiffe durch Rudersklaven angetrieben. Als sich der Handel immer weiter ausbreitete, erschien den Reedern der Unterhalt großer Rudermannschaften immer unrentabler.
 
Man besann sich auf den Wind und entwickelte entsprechende Takelagen und Segelsysteme. Bereits im ersten Jahrhundert nach Christus werden trapezförmige und dreieckige Segel erwähnt. Im Jahre 1341 tauchte erstmals ein Schiff mit Lateiner-Segeln vor den kanarischen Küsten auf. Durch die Entwicklung immer komplexerer Takelagesysteme, etwa bei den Karavellen und den Galeonen, verschwanden die „Velas Latinas“ aus der Hochseeschiffahrt und wurden nur noch auf Fischerei- und Lastenschiffen in  Küstengewässern eingesetzt.
 
Auf den Kanaren waren die Boote zwischen vier und 15 Metern lang. Beim Fischen wurde das Netz oft von zwei Schiffen gezogen. Dazu hatte man eine besondere Fahrtechnik entwickelt, damit das luvseitige Boot dem leeseitigen nicht den Wind aus den Segeln nahm.
 
Besondere Segeltechnik
 
Im Gegensatz zum Sportsegelboot mit Fock- und Großsegel ist der Lateiner-Mast kürzer als der Baum und das Segel wird nicht über eine Schiene im Mast eingeführt und durch einen Großbaum an der Unterkante des Segeltuches manövriert. Die Vorderseite des  Lateiner-Segel ist am Baum befestigt, der  mittels einer Seilkonstruktion am oberen Mastende aufgehängt wird. Hilfssegel wie die Fock oder vorgesetzte Spinnacker gibt es nicht. Bei Wende- oder Halsenmanövern wird der Baum durch Taue an seinerm unteren Ende samt dem Segel hinter dem Mast entlang auf die andere Seite gezogen.

Ein modernes Vela Latino-Boot während einer Halse
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Ein modernes Vela Latino-Boot während einer Halse
Das Manöver ist komplizierter als bei Sportbooten,  bei denen der, in das Focksegel einfallende Wind das Boot nahezu von allein auf den neuen Kurs einschwenken lässt. Beim Lateiner-Segel hingegen ist die Gefahr abzudriften  viel größer, wenn das Manöver nicht exakt ausgeführt wird, zumal bei den alten Fischerbooten und vielen heutigen Sportjollen kein Schwert unterhalb des Rumpfes den Kurs stabilisiert.
 
Im Gegensatz zum modernen Sportsegelboot, bei dem der Rudergänger in der Lage ist, ohne Probleme die Fock, das Großsegel und das Ruder zu bedienen, erfordert die „Vela Latina“ mindenstens zwei Mann Besatzung, da der Ablauf der Wenden und Halsen viel komplizierter ist. Schwierige Windverhältnisse können sogar dafür sorgen, dass eine Strecke per Rudereinsatz wesentlich schneller zurückgelegt werden kann, als durch Kreuzen gegen den Wind.
 
Alte Fischer-Tradition
 
Mast und Takelage hingegen lassen sich beim Lateiner-Segel schneller auf- und abbauen als beim normalen Sportboot. Bei kleinen Booten gibt es nicht einmal maststabilisiernde Wantenstreben. Das hat seinen Grund: Die Fischer an den Küsten des Atlantischen Ozeans zogen ihre Boote nach jeder Fahrt an Land und bauten den Mast ab, um Schäden durch Sturm und hohen Wellengang zu vermeiden. Das Sportsegelboot hingegen liegt in der Regel den Sommer über an einer geschützten Stelle.

Vela Latina in Dreiecksform
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Vela Latina in Dreiecksform
Bereits vor mehr als hundert Jahren veranstalteten die Fischer die ersten Wettfahrten untereinander. Meist fanden sie an Feiertagen statt, beispielsweise an den Festtagen der Jungfrau Carmen sowie des San Juan und San Pedro. Die erste vermerkte Wettfahrt wurde im Jahre 1852 in Puerto de la Cruz veranstaltet. Im Jahre 1906 war Alfonso XIII. beim ersten Besuch eines spanischen Königs auf Teneriffa unter den Zuschauern.
 
Rund vierzig Jahre später fanden die ersten Wettbewerbe der Fischer vor dem Hafen La Luz und dem bekannten Stadtstrand Las Canteras in Las Palmas auf Gran Canaria statt. Die am professionellsten organisierte Fischer-Regatta wurde ab 1925 in Los Cristianos im Südwesten Teneriffas organisiert. Dort gab es Geldpreise, aber auch Arbeitsgeräte wie etwa Reusen zu gewinnen.
 
Auch in Garachico und in San Andrés maßen die Fischer ihr seemännisches Können. Wettfahrten dieser Art wurden, nur unterbrochen vom spanischen Bürgerkrieg, bis Mitte der sechziger Jahre veranstaltet. Zu dieser Zeit hatten die Motorboote die Segelboote ersetzt. Die Geschichte des organisierten Segelsports auf den Kanaren begann vor mehr als hundert Jahren. Bereits im Jahre 1900 wurden erste Überlegungen über ein Regelwerk geführt.
 
"Vela Latina" als moderner Wettkampfsport
 
Im Jahre 1904 wurde der erste Wassersportklub auf Teneriffa, fünf Jahre später sein Pedant auf Gran Canaria gegründet. Kurz darauf fanden die ersten Regatten statt. Der spanische Bürgerkrieg setzte auch hier der Regatta-Aktivität eine Ende. Erst 1959 wurden wieder Wettfahrten durchgeführt. Seit 1962 werden Regatten in verschiedenen Bootklassen mit unterschiedlichen Prüfungen veranstaltet. So sind die Boote der Serie A 6,55 Meter lang, 2,37 Metern breit und haben einen Tiefgang von 1,35 Metern. Die Klasse B ist rund einen Meter kürzer und wiegt rund 600 Kliogramm. Allein das Schwert wiegt hundert Kilogramm.
 
Das Segeltuch der Lateiner-Sportjolle ist zwischen 15 und 30 Quadratmetern groß, der Baum an seiner Vorderseite kann bis zu acht Meter lang sein. Die Besatzung besteht aus bis zu elf Leuten. Mit den alten Fischerbooten haben sie  bis auf die Segelform nicht mehr allzu viel gemeinsam. So gehen vom Mast Taue zum Festhalten ab, damit sich die Besatzung an der Luvseite über Bord hinauslehnen kann, um das Boot im Gleichgewicht zu halten. Die Schiffe bei den großen Regatten werden häufig von verschiedenen Unternehmen gesponsort.