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Kastanien-Tradition

Maronen-Nostalgie

Kastanienverkauf in der Vorweihnachtszeit
© tfpelmarw
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Kastanienverkauf in der Vorweihnachtszeit
13.05.2006 - Teneriffa - Vorweihnachtszeit, das bedeutet auf Teneriffa Kastanienzeit. Ab Mitte November stehen die Maronenverkäufer mit ihren damp­fenden Öfen am Hafen in Puerto de la Cruz und füllen die über einem offenen Kohlenfeuer gerösteten braunen Schal­enfrüchte in schmale weisse Tüten.

Nicht viel anders sieht es auf dem brei­ten Bürgersteig auf der zentralen Ave­nida José Antonio Primo de Rivera in der Inselhauptstadt Santa Cruz und an zentralen Plätzen in der Universitätsstadt La Laguna aus.Heute sind die Kastanien nostal­gisch anmutende Boten der Advents­zeit und beliebte Beilage bei der Fiesta San Andrés in Icod de los Vinos, wenn der junge Wein vorgestellt wird. 
 
Einst waren sie ein Grundnahrungsmittel der Armen  zwischen  La Orotava und dem Esperanzawald in der Nähe der Inselhauptstadt. Das Zentrum der Kasta­nienwirtschaft lag im Acentejo zwischen Tacoronte und La Orotava in einer Höhe zwischen 700 und 1.100 Meter, wo Ackerbau nicht mehr möglich war.
 
Es gibt  18 verschiedene Sorten, deren Namen sich von der Form, dem Geschmack oder der Herkunft ableitet. So gibt es eine Kastanie, die nach  La Matanza benannt ist, der Gemeinde, wo in der örtlichen Markthalle „Mercadillo“ eine Kastanienmesse stattfindet und ein Kastanienmuseum eröffnet werden soll.
 
Die Früchte der Kastanie wurden einst roh oder geröstet als Vollmahl­zeit oder  Beilage zu Fisch im Herbst und Winter verzehrt, da  sie, im Gegensatz Obst und Gemüse lange aufbewahrt werden konnte. Die Blätter dienten als Viehfutter,ersetzten aber auch in den Ställen das Stroh; Holz und Rinde wurden beim Bau von Häusern und Möbeln, aber auch von Korbmachern und Fassherstellern verwendet.
 
Die Kastanienernte war beschwerlich. Frauen, Männer und Kinder brachen frühmorgens barfuß auf und stiegen hinauf in die Wäl­der. Sie kletterten auf die Bäume und pflückten die Früchte.  An den Dornen der grünen äusseren Kasta­nienschalen stachen sie sich oft die Hände blutig.Die Ernte gehörte ihnen nur zum Teil, da dem Grundbesitzer ein Anteil entrichtet werden musste.
 
Es gab jedoch auch Jahre, wo die Ernte ausfiel, da Unwetter die Früchte ver­nichtet hatten.Eine vor zwei Jahren veröffent­lichte Studie über die Kastanienwirtschaft im Acentejo ergab, dass in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg große Not auf Teneriffa herrschte und die Kastanien  auf den Märkten  in Puerto de la Cruz und Te­jina nicht nur verkauft, sondern auch  gegen andere Lebensmittel einge­tauscht wurden.
 
Die Strecke von teilweise mehr als 20 Kilometern wurden zu Fuss zu­rückgelegt. Dabei wurde die Ernte in Körben auf dem Kopf, aber auch mit Lasteseln transportiert, die bis zu 50 Kilo schleppen konnten. In den fünfziger, als es aufgrund neugebauter Strassen möglich wurde, mit Lieferwagen die Märkte in Icod de los Vinos und in der Hauptstadt Santa Cruz anzufahren, setzte der Niedergang der Kastanienwirtschaft ein.
 
Getreideimporte aus Südamerika und die  Flucht vieler Landarbeiter in die Neue Welt,  vor der, auf Teneriffa herschenden Not waren die Gründe für den Rückgang der Kastanienwirtschaft in den fünfziger Jahren.Der Anfang der sechziger Jahre im Orotavatal einsetzende Tourismus  brachte viele Arbeitsplätze im Fremdenverkehr mit sich. In der Folge wurde die Kastanienernte nahezu völlig eingestellt.
 
Die seit einiger Zeit geförderte Renaissance der Kasta­nienwirtschaft im Acentejo verfolgt keine wirtschaftlichen Motive, sondern entspringt lokalhistorischen und landschaftsplanerischen Gründen.